Zufluchtsstätte für Frauen
Schutz vor häuslicher Gewalt: Zufluchtsstätte in Deggendorf für Frauen und Kinder
Gewalt hat viele Gesichter. Sie beginnt oft schleichend - mit Kontrolle, Beleidigungen oder Demütigungen - und endet nicht selten in körperlichen Übergriffen. Die Zufluchtsstätte für von Gewalt betroffene Frauen in Deggendorf bietet einen sicheren und anonymen Ort, in dem Frauen und ihre Kinder Schutz finden können. Allen Bewohnerinnen ist gemeinsam, dass sie Opfer häuslicher Gewalt durch ihre (Ehe-)Partner, (Ehe-)Partnerinnen oder Eltern geworden sind - unabhängig von ihrem Alter, ihrer Bildung oder Lebenssituation. Manche bleiben nur wenige Tage, andere hingegen mehrere Wochen oder Monate.
Seit der Gründung im Jahr 1992 ist die Einrichtung kein bundesweit gefördertes Frauenhaus, sondern eine regionale Zufluchtsstätte des Landkreises in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband speziell für Frauen aus dem Landkreis Deggendorf. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird sie dennoch als Frauenhaus bezeichnet, da dieser Begriff für viele Betroffene die zentrale Anlaufstelle in Notsituationen beschreibt und auch vom Träger der Einrichtung bewusst verwendet wird, um den Zugang für hilfesuchende Frauen zu erleichtern. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass die Betroffene im Landkreis wohnhaft, mindestens 18 Jahre alt ist und häusliche Gewalt erlebt hat.
Besonders hervorzuheben ist die Ausweitung der sozialen Betreuung: Seit dem 1. Januar 2026 erhalten die Frauen und ihre Kinder Unterstützung durch zwei qualifizierte sozialpädagogische Fachkräfte. Diese Umstrukturierung reagiert auf die wachsende Komplexität der Lebensumstände gewaltbetroffener Frauen, die zunehmend mit vielschichtigen Problemlagen und hohen Belastungen zu kämpfen haben. Dadurch ist die Arbeit im Frauenhaus in den vergangenen Jahren anspruchsvoller und zeitintensiver geworden - der Bedarf an Hilfe bleibt ungebrochen.
Ein Ort des Trostes und der Unterstützung
Die Zufluchtsstätte bietet den Betroffenen zunächst die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Die Frauen erhalten sowohl psychosoziale Begleitung zur Verarbeitung der erlebten Gewalt als auch sozialrechtliche Beratung, dazu zählt u.a. Existenzsicherung, Begleitung zu Arzt- oder Anwaltsterminen sowie die Hilfestellung beim Aufbau eines neuen Lebensumfelds. Besonders schwierig gestaltet sich oft die Wohnungssuche aufgrund hoher Mieten und des angespannten Wohnungsmarktes.
Nicht alle Frauen entscheiden sich endgültig für eine Trennung. Manche kehren, oft aus Sorge um ihre Existenz, zu ihrem Partner zurück. Andere sehen in der Paarbeziehung noch ein tragfähiges Fundament, die Gewaltproblematik miteinander zu lösen. An dieser Thematik wird mit den Frauen gearbeitet. Auf Wunsch wird der Kontakt zu Ehe- oder Familienberatungsstellen hergestellt. Unabhängig davon bleiben die Frauen nicht allein, sie können sich weiter an die Fachkräfte der Zufluchtsstätte zur Beratung wenden. Zudem können sie bei Bedarf wieder aufgenommen werden.
Auch die Kinder der Frauen finden hier Schutz. Häufig sind sie selbst Opfer von Gewalt oder haben diese miterlebt. Um ihnen Stabilität und Sicherheit zu geben, werden auch sie sozialpädagogisch betreut. Falls erforderlich, werden Schul- oder Kindergartenwechsel organisiert. Zudem werden bei Bedarf weitere Hilfsmaßnahmen eingeleitet, um den Kindern langfristig Halt und Perspektiven zu bieten.
Beratung vor und nach dem Aufenthalt
Die Sozialpädagoginnen betonen, wie wichtig eine gut vorbereitete Trennung ist. Frauen, die darüber nachdenken, in ein Frauenhaus zu gehen oder sich aus einer Gewaltbeziehung befreien wollen, können sich bereits im Vorfeld beraten lassen. Auch nach dem Auszug bleibt das Team für die Frau beratend und unterstützend erreichbar.
Verstärkung für die ehrenamtliche Rufbereitschaft gesucht
Viele Frauen fliehen aus einer akuten Gefahrensituation - oft nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. Dank des ehrenamtlichen Bereitschaftsdienstes, der aktuell aus 15 Frauen besteht, ist rund um die Uhr eine Aufnahme möglich. Verstärkung wird immer gebraucht, daher werden weiterhin engagierte, empathische Frauen gesucht, die je nach ihren individuellen Zeitmöglichkeiten außerhalb der regulären Bürozeiten telefonisch erreichbar sind und bei Bedarf hilfesuchende Frauen und ihre Kinder in der Zufluchtsstätte aufnehmen. Voraussetzung dafür ist ein eigener PKW.
Interessierte können sich über das Frauenhaustelefon unter 0991- 38 20 20 oder per Mail an frauenhaus@caritas-deggendorf.de melden.