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Stand: 26.03.2021

Pressemitteilung

Das Frauenhaus Deggendorf in Zeiten der Corona-Krise

Das Frauenhaus Deggendorf in Zeiten der Corona-Krise

Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren hat im Lauf ihres Lebens mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch einen Beziehungspartner erlebt (vgl. Schröttle / Müller, BMFSFJ 2004). Erscheinungsformen und Ursachen sind vielfältig. Oft handelt es sich um eine Mischung aus körperlicher Misshandlung, seelischer, finanzieller, emotionaler und sexueller Gewalt. Sie reicht von Drohungen und Beschimpfungen bis hin zu Nötigung oder Vergewaltigung. Auslösende Elemente können allgemeine Ehe- und Partnerprobleme, finanzielle Sorgen, Arbeitslosigkeit, Alkohol-, Drogensucht oder psychische Probleme sein.

Eine Mitarbeiterin des Frauenhauses erklärt: "Die zur Eindämmung der Corona-Pandemie erforderlichen Einschränkungen im Alltag können zu einer weiteren sozialen und psychischen Belastungssituation führen. Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, sind ihrem Partner noch mehr ausgeliefert. Denn die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sorgen dafür, dass die Frauen weniger Möglichkeiten haben, sich unbeobachtet Hilfe zu holen. Die Dunkelziffer häuslicher Gewalt ist während der Corona-Pandemie vermutlich besonders hoch. Außerdem sorgen finanzielle Probleme, Homeschooling und Quarantäne dafür, dass der Druck und damit die Gewaltbereitschaft in den Familien steigt. Meist versuchen Frauen die Gewaltbeziehung auszuhalten, indem sie das Verhalten des Täters verharmlosen, rechtfertigen oder entschuldigen. Oft schämen sich die Frauen und es ist schwer für sie die Paarbeziehung zu verändern oder sich daraus zu lösen."

Im Frauenhaus kommen die Frauen erst einmal zur Ruhe. Sie erfahren individuelle Begleitung und Unterstützung, um die erfahrene Gewalt zu verarbeiten und Probleme aufzuarbeiten. Daneben gilt es zunächst die finanzielle Existenz zu stabilisieren, bei Bedarf Anwalts-, Jugendamts- oder Gerichtstermine zu begleiten und notwendige Kindergarten- oder Schulwechsel zu organisieren. Durch intensive professionelle sozialpädagogische Begleitung können die Frauen ihren eigenen Lebensweg planen, ob sich die Frauen zu einer Trennung entscheiden oder eine neue Perspektive in der Partnerbeziehung entwickeln möchten. Somit wird den Frauen und ihren Kindern die Möglichkeit eines gewaltfreien Lebens eröffnet und sie erhalten die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde.

Im Frauenhaus in Deggendorf haben in den letzten 20 Jahren durchschnittlich 20 bis 30 Frauen und deren Kinder aus dem Landkreis Deggendorf Zuflucht und Schutz vor körperlicher und/oder psychischer Gewalt gefunden. Sie sind zwischen 18 und 70 Jahren alt. Eine Aufnahme war bisher dank einer ehrenamtlichen Rufbereitschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich. Um die Ehrenamtlichen während der Coronazeit zu schützen, wurde diese zurückgefahren. Somit kann eine Aufnahme ins Frauenhaus nur noch zu üblichen Beratungszeiten (Mo bis Do 8:00 - 16:00 Uhr, Fr 8:00 - 12:00 Uhr) unter der Telefonnummer 0991/382020 erfolgen. Außerhalb dieser Zeit können sich die Hilfesuchenden an das deutschlandweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter 0800/0116 016 oder direkt an die örtliche Polizei wenden.  
 

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